Handgemachtes richtig kalkulieren ist ein heiß diskutiertes Thema in der Handmade Branche. Denn kaum einer weiß wirklich, wie man den Preis definiert. Manche setzen nur auf den emotionalen Wert der Produkte und Andere schauen nur die Kosten aus betriebswirtschaftlicher Sicht an. Doch was ist nun denn richtig?
Du wirst es eh schon ahnen – natürlich sind beide Ansichten und Herangehensweisen richtig und wichtig! Aber nur wenn man sie zusammen betrachtet.
Der erste Ansatz sollte immer der betriebswirtschaftliche sein, da du nur so für dich sicher sein kannst, dass du mit deinem Preis wirklich Gewinne generierst. Und nur wenn du Gewinne generierst, wirst du davon leben können.

Kalkulieren aus betriebwirtschaftlicher Sicht
Der wichtigste Schritt in der Selbstständigkeit ist die Preisgestaltung deiner Produkte. Denn darauf baut nicht nur dein Erfolg auf, sondern auch Vieles anderes wie:
- Wieviel muss ich produzieren, dass ich davon leben kann?
- Optimierung deiner Produkte, wenn du zu teuer bist
- Richtige Kalkuklation, wenn du umsatzsteuerpflichtig wirst?
- Wie decke ich meine Nebenkosten?
- u.v.m.
Was gehört alles in deine Kalkulation?
1. Materialkosten
Das erste was bei jedem Produkt anfällt, sind die Materialkosten. Vergiss hier auch Kleinigkeiten nicht.
- Stoffe, Faden, Vliesline, Etiketten, Knöpfe, ….)
- Fäden
- Vliesline
- Etiketten
- Knöpfe
- u.v.m.
2. Lohneinzelkosten
Hier geht es nicht darum, wieviel der Kollektivlohn in dieser Branche ist, sondern wieviel du verdienen möchtest. Denn der große Vorteil der Selbstständigkeit ist, dass du das selber entscheiden kannst. Stell dir also an dieser Stelle die Frage: Wieviel möchte ich für meine Arbeit in der Stunde verdienen? Und das ist dein Stundenlohn.
3. Verpackung
Wenn du dein Produkt versendest, benötigst du Verpackungsmaterial. Alle diese benötigten Materialien gehören in die Kalkulation hinein. Auch die Verpackungslizenz, die anfällt, wenn wir Verpackungen in Umlauf bringen. Denn auch als kleines Unternehmen, bist du verpflichtet, diese Lizenz abzugeben, wenn du Verpackungsmaterial verwendest. Mehr Infos dazu erfährst du im Blogbeitrag “Verpackungslizenz bei Kleinunternehmen?”
4. Versand
Hier hast du zwei Möglichkeiten und diese definierst du über deine Unternehmenseinstellung.
- Du kalkulierst die Versandkosten mit in den Produktpreis hinein und versendest kostenlos
- Du kalkulierst sie nicht mit ein und verrechnest den Versand separat
5. Nebenkosten
Kosten die nicht unmittelbar verrechnet werden können gehören zu den Nebenkosten. Was gehört alles dazu?
- Werbekosten (Flyer, Werbeanzeigen, Visitenkarten…)
- Verpackungslizenz
- Miete für Atelier
- Gebühren und Provision Onlineshop
- Internet Gebühren
- u.v.m.
6. Risikozuschlag
Dieser Zuschlag ist notwendig, damit wir evt. Kosten von Reklamationen, Rücksendungen und Materialfehler abgedeckt haben. Im Handmade Bereich nehmen wir hier einen Pauschalbetrag. Je nachdem wieviel Risiko wir mit unseren Produkten abdecken müssen, liegt er zwischen 15-25%.
7. Gewinnzuschlag
Wenn wir über einen Gewinn reden, ist es immer der Betrag der übrig bleibt, wenn wir Einnahmen minus die Ausgaben rechnen. Also das was tatsächlich übrig bleibt. Um in unser Unternehmen zu investieren (neue Maschinen, Ausbildung ect. ) ist es unabdingbar einen Gewinn zu erwirtschaften. Deshalb wird in die Kalkulation noch ein Gewinnzuschlag hinzugefügt. Auch diese ist ein Pauschalbetrag.
8. Mehrwertsteuer
Bis zu diesem Punkt haben wir den Nettoverkaufspreis ermittelt. Bist du nicht mehrwertsteuerpflichtig endet für dich hier die Kalkulation. Bist du allerdings mehrwertsteuerpflichtig, sprich du hast einen Umsatz von über 35.000.- Euro im Jahr. (Denn dann bist du in Österreich Mehrwertsteuerpflichtig) kommt zum Nettoverkaufspreis noch die Mehrwertsteuer von 20% (Österreich) und 19% (Deutschland) hinzu. Somit erhältst du dann den Bruttoverkaufspreis.
Wenn du mehr Infos zu diesem Thema wissen möchtest, dann klicke auf nachfolgenden Link:
https://www.wko.at/service/steuern/umsatzsteuer-basisinfo-betriebe.html

Emotionale Preisfindung – kalkulieren nach emotionelen Wert
Der Wert eines Produktes kann den, anhand der Kosten berechneten Preis, durchaus übertreffen. Zum Einen wenn der Kundennutzen des Produktes sehr hoch eingeschätzt wird oder aber wenn bei der Fertigung des Produktes viel Herzblut oder Leidenschaft mit einfliesst.
Deshalb ist die Ermittlung des Kostenfaktor das Eine, aber die Ermittlung des Preises für deinen emotionalen Wert das Andere.
Um richtig zu liegen, ist es am besten, wenn du Ersteres (Kostenkalkulation) ermittelst und Zweiteres (emotionalen Wert) in die Preisfindung mit einfliessen lässt. Denn du allein entscheidest, zu welchem Preis zu deine handgemachten Sachen verkaufen möchtest.
Ein weiterer Aspekt der Preisfindung ist, ob dein Produkt ein Unikat (also ein Einzelstück) oder es mehrere davon gibt. Denn auch hier gilt: Je einzigartiger dein Produkt, desto mehr darf es kosten!
Ich bin neugierig! Wie hast du deine Produkte kalkuliert? Ich freue mich über jeden Kommentar unter dem Text.
Deine Simone